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Restaurant- Tipp

Veröffentlicht im „Dippegucker“ des „Darmstädter Echo“.

10.10.2008 ho

„Erlenhof“ in Erbach - Sonderkarten heben saisonale Angebote hervor

RUSTIKAL UND REGIONAL präsentiert sich der Erbacher „Erlenhof“.

Der Odenwald verbinde „Hightech“ und „High-Snack“, hat der Erbacher Landrat Horst Schnur vor ein paar Jahren mal werbewirksam gesagt. Mit „Hightech“ ist es leider nicht mehr so weit her, seit ein Großbetrieb nach dem anderen dem ländlichen Raum den Rücken gekehrt hat. 

Und was „High-Snack“ angeht, so wird man exquisite und hochpreisige Gourmetküche zwischen Hesseneck, Grasellenbach und Lautertal vermutlich vergebens suchen. Aber zum Glück sind auch die Zeiten vorbei, in denen sich Odenwälder Kochkunst auf Kochkäs’ oder tellergroße Schnitzel unter Bergen von Pommes frites beschränkte. 

Die gibt es zwar auch noch, aber in vielen Betrieben hat sich schon seit geraumer Zeit die Erkenntnis durchgesetzt, dass ehrliche regionale Küche und frische Produkte bei den Gästen gefragt sind. Einem dieser Restaurants, dem „Erlenhof“ in Erbach, haben die Dippegucker jetzt einen Besuch abgestattet. 

An der Straße nach Bullau liegt das langgestreckte Anwesen. Die Gasträume sind in freundlichem hellem Holz gehalten, gediegen, aber nicht übermäßig rustikal. Ein Kachelofen in der Ecke und sorgsam platzierte Dekoration sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Weniger gemütlich hingegen haben es Raucher, die in einem kleinen Verschlag neben dem Eingang ihrer Nikotinsucht frönen müssen.

 „Die Küche hat Saison“, heißt es anpreisend auf der Speisekarte. Dem Angebot der Hauptkarte merkt man das nicht an, denn hier findet der Gast so internationale Speisen wie Krabben in Cocktailsoße (6,70 Euro), Honigmelone (allerdings mit Odenwälder Bauernschinken, 4,80) Cordon bleu oder einen „Schwedenteller“ (verschiedene Fischsorten). Um so regionaler geht es auf den Sonderkarten zu, die ausnehmend hübsch gestaltet auf den Tischen stehen. Gerade eben erst sind die Kartoffelwochen zu Ende gegangen. Demnächst sind Bayrische Tage mit Weißwurst, Schweinebauch und Pfefferhaxe. Dann folgen Schlachtfeste, und am 7. November schließlich beginnt die Gänsebratenzeit. 

Man sieht, es geht herzhaft zu im Erlenhof. Um die Wartezeit zu verkürzen, erfreute die Küche ihre Gäste mit zwei kleinen Scheiben Hackbraten, denen ein Klecks Kräuterquark eine angenehme Frische verlieh. Zur Vorspeise fiel die Wahl der Dippegucker auf eine Kartoffelsuppe (3,20 Euro, als Terrine 5,80 Euro), einen Kartoffelpfannkuchen (7,20 Euro) und ein Pfännchen Weinbergschnecken (4,90 Euro). Auf den Tisch kam eine reichliche Tasse einer sehr wohlschmeckenden Suppe, in der die Kartoffelstückchen nicht kleingekocht oder durchgerührt waren. Auch die Karottenstücke und die gerösteten Brotkrusten hatten noch Biss. 

Ebenso tadellos war der Kartoffelpfannkuchen, den es zu 4,80 auch mit hausgemachten Apfelbrei gegeben hätte und der erkennbar nicht aus dem Gefrierbeutel stammte. In der teureren Variante war er mit einigen Tranchen gebratenen Specks und mit Kräuterquark garniert. Zu gerne hätten wir allerdings genauer gewusst, was sich hinter dem „Nibelungenkäse“ verbirgt, mit dem der Pfannkuchen überbacken war. 

Zu einem Restaurant, das die regionale Küche pflegen will, gehört die Information über die Herkunft der Produkte. Deshalb erfährt man zum Beispiel, dass die Gänse ihr Schlachtgewicht auf dem Geflügelhof Strauß in Georgenhausen erreicht haben und das Wild vor der Flinte eines heimischen Jägers sein Leben ausgehaucht hat. 

Folglich bestellten die Dippegucker Flugentenbrust (17,80 Euro), Wildschweinfilet (18,20) sowie – klassische Kindernahrung – ein Schnitzel „Wiener Art“ mit Pommes frites (8,50 Euro). Während Schnitzel und Beilage nach dem Geschmack des Testessers etwas zu stark gewürzt waren, trafen die beiden anderen Hauptgerichte sehr wohl die Zustimmung seiner Eltern. Die Wildschweinfilets waren saftig und zartrosa gebraten und lagen – jahreszeitlich passend – in einer würzigen Hagebuttensoße mit Pfifferlingen. 

Als Beilagen wurden Feldsalat und Kartoffelspätzle serviert. Letztere erinnerten von der Form eher an Gnocchi, und wir hätten sie uns ein wenig intensiver im Geschmack gewünscht. Die in einer knusprigen und sehr schmackhaften Honigkruste gebratene Entenbrust war ebenfalls rosa und zart, als Beilagen wurden hier Kartoffelnocken und eine Gemüsejulienne gereicht. 

Die Weinkarte setzt, wie nicht anders zu erwarten, stark auf einheimische Weine. Neben Gewächsen etwa von der Umstädter Weininsel erhält man auch badische Weine und als Flaschenweine eine kleine Auswahl von Erzeugnissen ausländischer Winzer. Mit 3,40 Euro zum Beispiel für einen Grauburgunder aus Leimen liegen die Preise im üblichen Bereich. 

Sehr gefreut hat uns hingegen, dass die große Flasche Mineralwasser aus der Odenwaldquelle nur mit 3,40 Euro zu Buche schlug – da ist man anderswo leider anderes gewöhnt. Überhaupt rundeten die in Relation zur gebotenen Qualität moderaten Preise den insgesamt sehr positiven Eindruck ab.

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